Motivation in den Zeiten von Corona: Bleiben Sie gesund - und motiviert!

Corona-Sonderbeitrag im Sanduhr-Blog von Dr. Anja Ostendorp 

 

 

Ganz klar, es sind ungewohnte Zeiten. Covid-19 bringt völlig neue Herausforderungen mit sich. Die Welt steht Kopf - und vor einem Berg kleiner wie großer Fragen. Wir wissen um die Gefahr, die das Virus speziell für Risikogruppen mit sich bringt. Wir hören von der Überforderung in akut besonders systemrelevanten Berufen. Wir ahnen die Chancen der Entschleunigung und fürchten die Langeweile. Und wir fühlen die Anforderungen und Verunsicherungen, die die Situation für alle mit sich bringt.

 

Auch bei meinen Kunden türmen sich Fragezeichen: Wie, wann, wo und mit wem wollen bzw. dürfen wir arbeiten? Was wird priorisiert, was wird hintenangestellt und was lassen wir ganz fallen? Für wie lange? Für zwei Wochen? Bis Ende April? Auf unbestimmte Zeit? Was ist überhaupt noch möglich, was nicht? Hinter welcher Maßnahme stehen wir voll und ganz, welche halten wir nur mit einem Zähneknirschen ein? Wie flexibel sind wir im Denken von Möglichkeiten, im Fällen von Entscheidungen, im täglichen Tun? Wozu raffen wir uns irgendwie auf und wo verlässt uns der gute Wille? Und, ganz wichtig:

 

Wofür können wir uns gerade jetzt so richtig motivieren? Gelingt es uns, die Zeiten vorwegzunehmen, wenn es weitergeht, wenn das öffentliche und betriebliche Leben wieder an Fahrt aufnimmt? Sind wir voller Elan, nach dem Motto: Jetzt erst recht? Oder geraten wir in Schockstarre, sinken ermattet aufs Sofa und begeben uns in eine flimmernde Dauerschleife aus Handy-Schlagzeilen, Fernseh-News und Netflix-Nebel? 

 

 

Es gibt Menschen, die sich jetzt zu kaum noch etwas aufraffen können: Angestellte, die es sich auf dem Sofa bequem machen, Schüler*innen, die sich fragen, wozu sie noch lernen sollen, Unternehmen, die ihre Schockstarre kaum überwinden anstatt umsichtig aktiv zu werden und mutig Entscheidungen zu treffen.

 

"Die Zeit der Mutigen startet genau jetzt", schreibt Sarah Köhler in einem ntv-Artikel vom 20.03.2020.

 

Es gibt Menschen, Unternehmen und Institutionen, die gerade jetzt die Geschicke in die Hand nehmen und neue Wege einschlagen. Die (Zusammen-)Arbeit neu definieren und kreative Lösungen finden. Und die, wenn Warte- und Leerzeiten entstehen, nicht die Ungewissheit beklagen, sondern an Dingen arbeiten, die sonst zu kurz kommen. Ich habe Kunden, die nicht nur die momentanen Herausforderungen bei der Arbeit mit Herz und Verstand souverän meistern (was an sich schon eine großartige Leistung ist!), sondern die darüber hinaus sagen, sie wollten sich schon immer mehr Zeit nehmen für Strategie, kreatives Arbeiten, Weiterbildung oder Persönlichkeitsentwicklung. Bei genau diesen Personen und Unternehmen ist echte, intrinsische Motivation spürbar, das wahrhaft Beste aus der Situation zu machen. Ihr Motto: "Wenn nicht jetzt, wann dann?" 

 

Clevere Unternehmen kümmern sich jetzt nicht nur um die unerlässliche Ausstattung für veränderte Arbeitsanforderungen. Sie kümmern sich auch um ein stimmiges Konzept für ihre Betriebskultur, um echte Führungsleitlinien, individuelle Führungskräfteentwicklung, soziale Verantwortung und Mitarbeiterbindung. Dies geht weit darüber hinaus, Homeoffice zu ermöglichen, Sicherheitsmaßnahmen zu befolgen und Hygienemaßnahmen zu kommunizieren. Denn der rote Faden, der Menschen und Unternehmen stark und einzigartig macht, muss gerade jetzt aktiv weitergesponnen werden. Dies bedeutet zusätzliche Investition, die sich jedoch mehrfach auszahlt: Unternehmen und ihre Belegschaft gewinnen eine klare Linie, langfristige Verbindlichkeit, Haltung, professionelle Orientierung und Kraft.  

 

Fragen Sie sich also ganz bewusst: Wie handhaben wir Personen- und Teamführung in den Zeiten von Corona? Welche Neuerungen wollen wir auch nach Corona beibehalten? Was passt auch auf längere Sicht zu unserer Kultur und was nicht? Was heißt jetzt "Commitment"? Wie gelingen Selbstführung und Kommunikation in Zeiten, in denen altvertraute Strukturen wegbröckeln und nicht einmal mehr der Händedruck ein Zeichen von Verlässlichkeit, sondern von Unvernunft ist? Was bedeutet "Zeitmanagement", wenn zuhause am spontan eingerichteten Arbeitsplatz der Fernseher läuft, die Kinder toben, die Oma anruft oder der Partner anmahnt, man könne nun ja endlich einmal den Keller aufräumen? Was ändert sich, wenn Werner Schäufele, der große Verfechter von Anwesenheit im Betrieb, der immer als letzter das Licht ausmacht, sich plötzlich ins Arbeiten von zuhause aus verabschiedet?

 

Auch wenn die Technik da ist, fehlt häufig Knowhow und erprobte Praxis im neuen Arbeiten: Wie organisiert man einen Heimarbeitstag? Wie geht erfolgreiches Priorisieren? Wie werden Ziele definiert? Wie tauscht man sich darüber raus? Wie ist der Biorhythmus bei Heimarbeit zu berücksichtigen, welche Pausen sind nötig? Wie wird man wirklich produktiv, ohne sich selbst etwas vorzumachen und ohne auf die klassischen Ablenkungen hereinzufallen?

Überhaupt, Homeoffice: Ist Ihr Unternehmen und jede*r einzelne wirklich schon soweit, um die Vorteile dieser modernen Arbeitsform zu nutzen? Oder heißt zuhause arbeiten sollen  vielmehr zuhause bleiben dürfen ? Alibi-Arbeit, das Eldorado aller Prokrastinierer, die Lizenz zum Nichtstun? Was lässt sich dagegen unternehmen, wenn Mitarbeitende plötzlich das Gefühl von Betriebsferien haben? Kann man Leute von außen motivieren oder muss das jede*r selbst tun? Und wie geschieht das?

 

Fragen wir uns ehrlich: Wie motiviert und diszipliniert sind wir, uns an die Dinge zu machen, die sonst liegenbleiben?

 

Meine Kunden verraten mir in Coachings und Seminaren immer wieder, welche ausgeklügelten Strategien von Ablenkung oder Umlenkung auf weniger Wichtiges sie haben. Für manche ist es gar nicht unbedingt schwer, solche Ablenkungsstrategien mir gegenüber einzugestehen. Das wirklich Schwierige ist oftmals, diese gewohnten Denk-, Entscheidungs- und Handlungsmuster zu bemerken und sich selbst gegenüber einzugestehen, was davon unproduktiv ist.

 

Wirklich strategisches und konzeptionelles Arbeiten wird eben allzu gerne hintenangestellt im Alltagsgeschäft, im dem immer alles dringend ist. Deshalb schalten viele so gerne in den Leerlauf, wenn sie einmal keinen klar geregelten Druck von außen haben. Ähnlich geht Persönlichkeitsarbeit und fundierte Führungskräfteentwicklung im Alltag oftmals unter.

 

Man wollte "schon immer einmal" daran arbeiten, schwierige Gespräche zu führen und in Konfliktsituationen souverän zu bleiben. Und man wollte auch "schon immer einmal" über seine Karriere nachdenken. Wenn wir aber unter chronischem Termindruck zu beschäftigt sind, sind wir im Modus des Reagierens. Bei allem, was nicht eilt, drücken wir beide Augen zu.

 

Glücklich können sich demnach in Coronazeiten vielleicht gerade die schätzen, die jetzt nicht unermüdlich an vorderster Front darum kämpfen müssen, um das System zu erhalten. Diejenigen, die jetzt eine kleine Verschnaufpause haben, in denen sie etwas langsamer machen und dabei planvoll arbeiten und vielleicht sogar die eigene Persönlichkeitsentwicklung voranbringen können. Und vor allem diejenigen, die einen Sinn in ihrem Tun erkennen. Denn das ist die Grundbedingung jeglicher Motivation, die wirklich von innen kommt und uns langfristig trägt. 

 

 

Der Waldarbeiter mit der stumpfen Säge

 

Ein Spaziergänger trifft in einem Wald auf einen Holzfäller, der schweißgebadet versucht, mit seiner stumpfen Säge einen großen Baum zu fällen.

Der Spaziergänger tritt an den Waldarbeiter heran und stellt verwundert fest: „Ihre Säge ist ja ganz stumpf. Warum schärfen Sie sie denn nicht?“

Darauf antwortet der Waldarbeiter: „Dafür habe ich keine Zeit! Sie sehen doch: Ich muss sägen!“

 

(Autor*in unbekannt)

 

 

 

Ich wünsche Ihnen allen, dass Sie diese Zeit für sich sinnvoll nutzen. Dass Sie sich mit Zuversicht und Weitblick auf echte Ziele, Werte und Motive stützen können, damit wir alle das Beste aus der Situation machen. Für uns selbst und für andere.

 

Denn Coronazeit ist neben allem Schweren, teils Bedrohlichem und Unklaren für viele eine echte Gelegenheit, um die Säge zu schärfen. Packen wir es an:

Handeln wir mit Herz und Verstand. 

Unterstützen wir all jene, die jetzt besonders "den Laden am Laufen" halten.

Halten wir zusammen für die, die speziell Hilfe brauchen. 

Halten wir unseren eigenen Laden am Laufen.

Behalten wir im Blick, dass nach diesem Ausnahmezustand Normalität einkehren wird. Auch wenn diese Normalität nicht mehr genauso aussehen wird wie zuvor. 

 

Vergessen wir nicht, dass der Laden auch nach der Krise laufen soll - nicht irgendwie, sondern so, wie es für uns gut ist und die neue nach Corona erfordert.

 

Und bereiten wir uns bestmöglich darauf vor.

 

In diesem Sinne: Bleiben Sie gesund - und motiviert!